Dead Snow (Film)

Erschienen: 2009, Norwegen
Regie: Tommy Wirkola
Laufzeit: 90 Minuten
Freigabe: ab 18

Daß auch Norweger ein Recht darauf haben, sinnfreie Zombie-Filme zu drehen, beweisen sie eindringlich mit dem 2009 veröffentlichten Film „Dead Snow“.

Worum geht’s?

Bereits der Untertitel „Ein! Zwei! Die!“ vermittelt einen guten Eindruck vom durchweg gehaltenen Niveau des Films. Eine komplexe Handlung sucht man vergeblich, vielmehr handelt es sich tatsächlich um einen Slasher-Film mit Zombies. Die Geschichte ist schnell erzählt:

"Boah, ein toller Goldschatz in unserer einsamen Hütte... wem der wohl gehört?"

Eine Gruppe von Medizinstudenten macht einen Kurztrip in eine einsame Hütte in den norwegischen Bergen, um sich mit Schnee, Alkohol und Spielen zu vergnügen. Sie müssen allerdings von einem sonderbaren Besucher erfahren, daß im Zweiten Weltkrieg eine Gruppe Nazis um Oberst Herzog die einheimische Bevölkerung jahrelang unterdrückte und folterte und schließlich gegen Kriegsende von den Einheimischen verjagt wurde. Auf ihrer Flucht ging den Nazis ihr Schatz abhanden, der just in dieser Nacht von den Studenten in der Hütte gefunden wird. Das jedoch erweckt die Toten zum Leben und fortan versuchen untote Nazi-Horden, an ihren Schatz zu gelangen…

Und genauso hanebüchen, wie sich die Geschichte liest, ist der ganze Film.

"Goldschatz? Hat da jemand was von einem Goldschatz gesagt?"

Dead Snow versucht gar nicht erst, die recht flache Geschichte in irgendeiner Weise zu verbrämen, mit Tiefgang zu versehen, durch gelungene Dialoge hervorzustechen oder sich in detaillierten Charakterstudien zu ergehen. Und so ist der Film genau das, was das Cover verspricht: ein absolut sinnfreier Splatterfilm, der den Zuschauer intellektuell nicht überfordert und lockere Abendunterhaltung beim Bier bietet – sofern man bereit ist, sein Gehirn abzuschalten und den Film als unterhaltsames Popcorn-Kino zu akzeptieren und man keine Probleme mit der Auswahl der Zombies hat (Nazi-Zombies mögen nicht jedermanns Sache sein). Dann macht der Film tatsächlich sogar Spaß, allerdings fällt er auch in die Kategorie: „Kann man mal sehen… muß man aber nicht ein zweites Mal.“

Das norwegische Filmplakat

Wie schon dem norwegischen Filmplakat zu entnehmen, ist der Film ist als übertriebene Splatter-Komödie gedacht. Ernst nehmen kann man ihn auch nicht, denn dafür gibt es zu viele haarsträubende Szenen und Dialoge.

Darsteller, Schauplatz

Die Schauspieler sind allesamt in unseren Breiten unbekannt (ich weiß nicht eimal, ob sie jemand in Norwegen kennt) und zeichnen sich jetzt auch nicht durch shakespearehafte Charakterdarstellungen aus. Ganz im Gegenteil sind die meisten Charaktere nicht sonderlich komplex gezeigt, lediglich Hanna sticht noch aufgrund ihrer Rasta-Frisur hervor. Vegard, der später die Hütte verläßt, um seine verschwundene Freundin zu suchen, bekommt ebenfalls eine Nebenhandlung spendiert, allerdings wird seine Rolle durch die Tatsache, daß er die ganze Zeit einen Skiparka, Schal und Schneebrille trägt, nicht gerade farbiger.

Es wird versucht, eine rudimentäre zwischenmenschliche Geschichte einzubringen, zum Beispiel indem eine der Frauen einem der Männer Avancen macht, doch diese Romanze führt durch eine merkwürdige Sexszene auf dem Plumpsklo beim Zuschauer eher zu einer hochgezogenen Augenbraue.

Die Tatsache, daß der Film norwegisch (mit Untertiteln) ist, ist ebenfalls nicht weiter störend. Die Dialoge halten sich stark in Grenzen und tragen größtenteils nicht zur Vertiefung der Handlung bei.

Typen, die nachts um das Klo herumschleichen und komische Geschichten aus dem 2. Weltkrieg erzählen, sind immer verdächtig

Die Kulisse des Films ist hingegen landschaftlich reizvoll. Es wurde in den verschneiten Bergen Norwegens gedreht und so gibt es schöne Landschaftsaufnahmen, gigantische Bergkulissen und viel Schnee. Die Studenten heizen auf Schneemobilen und mit Schlitten in Pseudo-Bogner-mäßigen Aufnahmen umher, unterlegt von heißem Sound (gerne auch mal äußerst merkwürdigem norwegischem Rock-Pop-was-auch-immer), und die Umgebung für das Spektakel ist malerisch.

Die Zombies

Nazizombies auf der Jagd nach norwegischen Studenten... äh ja.

Die Zombies sehen ordentlich aus, sind aber keine „klassischen“ Zombies. Tatsächlich scheinen einige von ihnen, wie der Anführer Oberst Herzog, so etwas wie  Intelligenz zu besitzen. Die hochrangigen Zombies agieren planend und suchen ihr Gold, während die unteren Mannschaftsränge eher mordend durch die Gegend ziehen. Die genaue Ursache ihres Zustandes wollte sich mir bis zum Ende des Films nicht so ganz erschließen.

Hierbei haben die Zombies es aber auch nicht klassischerweise auf Gehirne abgesesehen, noch scheint ihre Zombifizierung sonderlich ansteckend zu sein. Zwar gibt es ein paar Anspielungen an die üblichen Horrorfilme („Ich bin gebissen worden!“) und hysterische Versuche, eine Infektion abzuwenden, aber daß jemand im klassischen Sinne verwandelt wurde und fortan mit den Horden umherzog, war nicht im gewohnten Maße der Fall.Tatsächlich werden die Darsteller geradezu in Blut gesuhlt, so daß zumindest eine Tröpfcheninfektion ausgeschlossen werden kann.

Gut erkannt.

Tatsächlich ist Dead Snow eher ein Teenie-Slasher-Film, in dem eine Gruppe Teenager nach und nach von unbekannten Killern dezimiert wird, als ein Zombie-Film.

Die Zombies sind hier eher Mittel zum Zweck, und selbst die Tatsache, daß es untote Nazis sind, spielt keine tragende Rolle. Es hätten auch untote Römer oder untote Russen sein können, aber Nazi-Zombies sorgen bekanntermaßen immer für Publicity, Provokation und das Gefühl, einen bösen Film zu drehen. Entsprechend tragen die Zombies Wehrmachts-Uniformen, der Oberst hat natürlich eine Hakenkreuzbinde an und man kokettiert mit entsprechender Symbolik. Es bleibt jedoch absolut comichaft oberflächlich.

Splatter, Gewalt, Gorefaktor

An Blut wird nicht gespart

So flach die Geschichte und so eindimensional die Charaktere und Dialoge sind, so splatterlastig ist der Film – es wird nicht gespart mit Blut, Gewalt und vor allem Eingeweide.

Man hatte offensichtlich viel Spaß daran, insbesondere mit langen, langen Gedärmen zu spielen, denn diese werden häufig und gerne in die Kamera gehalten, um Bäume gewickelt und aus Menschen herausgeholt. Zimperlich geht es nicht zur Sache, sondern insbesondere gegen Ende hin übertreibt der Film gnadenlos, was Gewalt und Blut angeht. Klassiker wie die Kettensäge fehlen ebensowenig wie ein montiertes MG auf einem Schneemobil und über und über mit Blut bespritzte Hauptdarsteller.

Da der Film nicht sonderlich ernst gemeint ist, sondern sich selbst als Komödie versteht, will man offenbar Vorbildern wie Peter Jacksons Braindead folgen (einer der Darsteller trägt sogar ein Braindead-T-Shirt), in dem ja ebenfalls die Gewalt so auf die Spitze getrieben wird, daß sie als totale Übertreibung Unterhaltungswert hat. Leider klappt das in Braindead deutlich besser als in Dead Snow, weil da auch der Rest des Films als Komödie hervorragend funktioniert und die skurillen Charaktere Spaß machen.

Die Trickeffekte sind dafür in Ordnung, die Eingeweide, abgetrennten Körperteile und das Blut sehen so aus, wie man es gewohnt ist.

Sound, Atmosphäre, Stimmung

Umzingelt in der Berghütte... wer wird das nächste Opfer sein?

Leider ist der Film auch für einen Slasher-Film nicht sonderlich raffiniert gemacht, denn dieses Genre lebt ja eigentlich vom Schreckmoment, von der Überraschung und dem Gefühl des Verfolgt-seins und der Dezimierung. Schockeffekte sucht man in Dead Snow leider vergeblich, sonderlich überraschend war der Film an keiner Stelle und angeregt zusammengezuckt bin ich auch nirgendwo. Der Horror wird leider eher plump vermittelt und lebt von seiner reißerischen, blutigen Darstellung.

Die Musik ist eine wilde Mischung aus norwegischen Songs, harten Klängen und dann wiederum Klassikern wie „In der Halle des Bergkönigs“ von Grieg oder Beethovens „Freude schöner Götterfunken“ im Hauptmenü der DVD. Die Anfangsszene, in der eine Frau zu den Klängen des Bergkönigs durch die norwegischen Berge gejagt wird, gehört damit zu den stimmungsvollsten Szenen des Films. Leider sucht man ähnliche atmosphärische Momente später vergeblich. Schade.

Gegen Ende kann der Film seinen überdrehten Anspruch etwas besser vermitteln und es kommt zu einigen sehr unterhaltsamen Szenen

Da der Film als Komödie gedacht ist, muß er sich leider Vergleiche mit anderen Zombie-Komödien gefallen lassen (in Slasher-Komödien kenne ich mich leider nicht so gut aus, da das nicht so mein Genre ist. Laut Slasher-Fans werden aber einige Filme in Dead Snow zitiert).

So ganz will der Witz in Dead Snow nicht überspringen, bei Vergleichen mit Filmen wie Braindead oder Shaun of the Dead verliert er gnadenlos. Tatsächlich kam bei mir das Komödienhafte nicht ganz an, zumal der Film einige sehr merkwürdige Szenen enthält, bei denen man nicht weiß, ob sie einfach nur schlecht sind (besagte Plumpsklo-Szene) oder absichtlich so hirnrissig gemacht wurden. Mir kam es eher wie Drehbuchschwächen vor, denn auch eine Komödie mit Nazi-Zombies sollte durchaus eine gewisse Logik und halbwegs nachvollziehbare Gedankengänge aufweisen – oder lustig gemeinte Szenen auch wirklich als solche kenntlich machen.

Lediglich gegen Ende wurde der Film etwas überdreht, die Gewalt und Dialoge hatten ihre Momente und man konnte erkennen, was der Regisseur eigentlich mit Dead Snow bewirken wollte: eine gnadenlos übertriebene und überzeichnete Slasher-/Zombie-Crossover-Geschichte.  Einige Szenen waren auch wirklich gut und unterhaltsam, aber im großen und ganzen fehlten mir herausstechende Momente, die in Erinnerung bleiben. Mir blieben vielmehr einige peinliche und merkwürdige Momente in Erinnerung, sowie viel Schnee und austauschbare Leute mit Skimasken und Brillen.

Versionen

Ich habe die ungeschnittene UK-Importversion und auf diese bezieht sich auch meine Review. Darauf gibt es ausschließlich die norwegische Tonspur, versehen mit englischen Untertiteln.

Das Cover der deutschen Fassung

Es gibt  auch eine deutsche DVD-FSK 18-Version, die ebenfalls ungeschnitten sein soll. Diese enthält neben der norwegischen Tonspur auch eine deutsche Synchronisation, die sich allerdings eher im unteren Mittelmaß bewegen soll. Da ich die Version selbst nicht kenne, kann ich dazu keine genaueren Angaben machen.

Da der Film aber sowieso banane ist, sollte man sich den Spaß gönnen, und ihn sich im Original auf norwegisch anschauen. Das erhöht den Unterhaltungswert enorm.

Fazit

Wie man meinen Ausführungen entnehmen kann, gehört Dead Snow jetzt nicht unbedingt zu den „Must Haves“ der wohlsortierten Zombie-Film-Sammlung.

Wie ich in der Einleitung schon sagte: „Kann man sich mal angucken… muß man aber nicht ein zweites Mal sehen“. Mit Bier und in geselliger Runde sicher von gewissem Unterhaltungswert, aber leider hat der Film zu viele Schwächen, um es in die ehrenwerte Reihe der Zombie-Komödien-Klassiker zu schaffen.

Der Screenshot mag harmlos wirken, aber wer den Film sieht, muß gewisse koprophile Züge bei der Frau vermuten

Der Komödien-Anspruch geht größtenteils gar nicht aus dem Film hervor, allerdings bleiben die Handlung und die Charaktere auch zu schwach, um einem ernsthaften Film gerecht zu werden.

Erst gegen Ende zeigt der Film in einigen Szenen sein eigentliches Potential und was er eigentlich sein wollte: eine vollkommen übertrieben dargestellte Splatter-Geschichte mit Slasher-Grundstory und besonders bösen Zombies.

Schade jedoch, daß der Film sich vorher keine allzu große Mühe gibt, den Charakteren mehr Tiefe zu verleihen oder die Dialoge pointierter zu gestalten. Aus der banalen und hirnrissigen Story hätte zwar nicht mehr herausgeholt werden können, aber sie hätte durch besser dargestellte Figuren deutlich gewinnen können. So bleiben die meisten der Studenten dem Zuschauer fremd oder fallen einem sogar unangenehm auf  (nur Hanna fällt etwas heraus), und das erhöht nicht gerade den Mitfieber– und Mitfühl-Effekt beim Betrachten des Films.

Zumindest die Kulisse ist landschaftlich reizvoll

Ein „Einsaug“-Effekt blieb bei mir aus, mein Mitfiebern mit den Protagonisten hielt sich ebenso sehr in Grenzen wie das Grausen angesichts der Zombie-Bedrohung. Leider gingen auch die komödiantisch gemeinten Elemente zum Teil an mir vorbei, so daß ich diesen Film nicht wirklich als gelungen betrachten kann.

Als hirnloses Popcorn-Kino sicher geeignet, aber keine unbedingter Pflichtkauf für jede Zombiesammlung. Das ist ein Film, den man sich durchaus mal mit Freunden aus der Videothek leihen kann, um sich einen Abend lang auf absurde Weise (und idealerweise auf norwegisch) zu amüsieren, aber dann ist man auch froh, wenn man sich wieder interessanteren Werken mit mehr Tiefgang, mehr Logik und mehr Sinn zuwenden kann. Oder Komödien mit mehr Unterhaltungswert.

Selbst das Making Of, das wir uns ansonsten immer gerne anschauen, verleitete uns hier zum Ausschalten, was ebenfalls schade ist. Normalerweise werfe ich immer einen Blick „hinter die Kulissen“, bin interessiert daran, was die Darsteller, der Regisseur dachten oder wie die Trickeffekte zustande kamen. Dieses Making Of jedoch war ebenso sinnfrei wie der Film, so daß wir es ca. 10 Minuten Films abbrachen und stattdessen Left 4 Dead 2 einlegten…

Von mir deswegen nur zweieinhalb Gehirne – für hirnlosen Unterhaltungswert, norwegischen Exotenbonus, Nazi-Zombies mit wirrem Blick, Kettensäge, die Halle des Bergkönigs in der Anfangsszene und den untoten Oberst Herzog, der von allen Darstellern definitiv das meiste Charisma besaß.

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2 Antworten to “Dead Snow (Film)”

  1. Zweieinhalb Hirne für so viel Hirnlosigkeit sind schon sehr großzügig.
    Aber die schönen Landschaften haben es vielleicht verdient 😉

  2. DER FILM IST DER HAMMER !!BESONDERS DER 2. TEIL

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