The Morningstar Strain 1: Plague of the Dead (Roman)

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Teil 1 der Morningstar Saga von Z.A.Recht

Verlag: Permuted Press

Umfang: 292 Seiten (Paperback)

Erscheinungsjahr: 2006

„Plague of the Dead“ ist der erste Teil der bislang zweiteiligen Morningstar Saga, Teil 3 wird zur Zeit von Z.A. Recht geschrieben. Die Handlung der einzelnen Bücher ist fortlaufend, so daß das Ende des ersten Buches offen ist und im nächsten Band, „Thunder and Ashes“, nahtlos fortgesetzt wird.

Die Ursache der Zombifizierung

Beim „Morningstar Strain“ handelt es sich den Namen eines in Afrika entspringenden Killervirus, der wie eine hochaggressive, ultra-schnelle Kreuzung aus Ebola und Tollwut beschrieben wird. Er wird nicht aerosol durch die Luft, sondern nur durch Austausch von Körperflüssigkeiten übertragen. Im Gegensatz zu herkömmlichen Viruserkrankungen ist die Inkubationszeit extrem kurz, die Wirte sind sehr mobil („Runners„) und aggressiv, in dem sie auf Nicht-Infizierte losgehen und diese zu kratzen und beißen versuchen.

Daneben hat der Virus eine weitere, allerdings ungewöhnliche Eigenschaft: stirbt ein Infizierter, so erhebt sich der reanimierte Körper wenige Stunden nach dem Tod und bewegt sich weiter umher, allerdings deutlich verlangsamt und mit fortschreitendem Verfall („Shamblers„). So finden sich in diesem Roman beide Arten von Zombies, Romeros  langsame, ungelenke Untote und die „moderne“ Variante des aus 28 Days Later oder Left4Dead bekannten „Rennenden Zombies“, zusammen mit einer plausiblen Erklärung für die unterschiedlichen Ausformungen.

Inhalt

Als in Zentralafrika ein neuer Killervirus ausbricht, wird dieser vom Rest der Welt erst mal nicht ernst genommen – Ebola, Lassa und ähnliche Erkrankungen bleiben in der Regel aufgrund ihrer hohen Aggressivität (=schnellem Siechtum des Wirts) lokal begrenzt, weil die Kranken aufgrund ihres schnellen körperlichen Verfalls gar keine Zeit und Gelegenheit haben, sich über einen weite Region auszubreiten. Als erste

Erstaunliche Vorgänge bei der Obduktion...

Erstaunliche Vorgänge bei der Obduktion...

Bißverletzungen in Mombasa auftauchen, hält man dieses für einen Fall von lokalem Kannibalismus. Erst als die reanimierte Leiche eines infizierten österreichischen Arztes aus Afrika zur Untersuchung zu einem Top-Secret-Forschungsinstitut des US-Militärs ausgeflogen wird, entdeckt man dort, daß es sich um keinen gewöhnlichen „Killervirus“ handelt – und daß Infizierte nach ihrem Tod scheinbar wieder zum Leben erwachen und weiterhin Aggressionen zeigen – wenn auch stark verlangsamt.

Eine der Hauptpersonen des Buches ist die Militärärztin Dr. Anna Demilio, die hin- und hergerissen ist zwischen dem Für-Sich-Behalten der brisanten Informationen (mit „Zombies“ wird man in der Öffentlichkeit nicht wirklich ernst genommen, oder es besteht die Gefahr einer Massenpanik, Hamsterkäufen und Plünderungen), und ihrer Informationspflicht angesichts der rasanten Ausbreitung und der Bedrohung auch für die Vereinigten Staaten. Schließlich folgt sie ihrem Gewissen und übergibt ihre Informationen an die Nachrichtensprecherin Julie Ortiz, womit beide sich in das Visier der NSA bringen, die die Sicherheit des Landes bedroht sieht.

Ein weiterer Schauplatz des Buches ist Afrika selbst, wo es einmal um die Geschichte einer jungen Rotkreuz-Sanitäterin geht, die Erste Hilfe in einem Flüchtlingslager leistet, da der ganze Kontinent abgeriegelt wurde, um eine Ausbreitung auf andere Kontinente zu verhindern.

Na, ob eine Seeblockade da etwas nützt?

Na, ob eine Seeblockade da etwas nützt?

Amerikanische, britische und sogar deutsche Kriegsschiffe patrouillieren an den Küsten, alle Landverbindungen wie die Suez-Eisenbahnbrücke sind gesprengt und Kampfflugzeuge sorgen dafür, daß nur genehmigte Maschinen starten und landen dürfen. Man glaubt, die Infektion auf diese Weise eindämmen zu können. Die Militäreinheit um General Sherman, die mit der Bewachung des Suez-Kanals zuständig ist, muß jedoch einsehen, daß Millionen von aggressiven, rennenden Infizierten nicht mit ein paar Kartons Munition aufgehalten werden können.

Die Abriegelung des Kontinent scheitert, was nicht weiter überraschend ist, auf ganzer Linie und die Militäreinheit tritt, nun vereinigt mit der Sanitäterin und einigen weiteren Hauptpersonen wie einem afrikanischen Fluglotsen und einem kanadischen Fotografen, die Flucht auf einem Kriegsschiff an – um zu erfahren, daß die Krankheit nun wohl auch die USA und Europa erreicht hat, da die ersten ausgeflogenen und ausgeschifften Flüchtlinge offenbar zwar keine Symptome gezeigt hatten, aber wohl schon infiziert waren. Denn gerät man nicht in unmittelbaren Kontakt, zum Beispiel durch einen Biß, sondern berührt das Blut eines Toten und sondern reibt sich z.B.  später die Augen, so dauert es mitunter Tage, bis die Infektion sich über die Schleimhäute ausgebreitet hat.

Das Buch erzählt von da an die Flucht der Überlebenden auf dem Kriegsschiff, die dort einige Schwierigkeiten meistern müssen, bis sie die USA erreichen, sowie die Verhaftung und Verhöre von Dr. Demilio und Ortiz durch den leicht besessenen NSA-Beamten Sawyer. Da General Sherman und Dr. Demilio sich persönlich kennen und zur Zeit des Ausbruchs in Afrika per Email miteinander in Kontakt standen, ist es Shermans Plan, diese wichtigste Expertin des Morningstar-Virus zu finden und sich mit ihr zusammenzutun, auch in der vagen Hoffnung, daß ihr Institut an einem Gegenmittel forscht. Julie und Ortiz ihrerseits müssen aus der Gefangenschaft im überrannten und zerstörten Washington entkommen, um sich zu einem sicheren Ort zu bringen.

Das Buch endet offen und wird im Nachfolgeband direkt fortgesetzt.

Review

Das Buch ist für mich ein etwas zweischneidiges Schwert.

Die grundsätzliche Handlung ist interessant und der Beginn, der eine gute Übersicht über das Thema „Killerviren“ bietet, ist informativ und bietet dem medizinisch interessierten Leser gute Grundkenntnisse für den weiteren Verlauf der Handlung. Der Ausbruch der Krankheit in Afrika und wie sie zuerst als lokales Problem abgetan wird, ist typisch, auch wenn man mit dem kurzen Kapitel über den österreichischen Arzt schon zu ahnen beginnt, worauf es hinausläuft, als er in der Leichenhalle die eingelieferten angeblichen Kannibalenopfer sezieren soll. Okay, natürlich ahnt man es – man weiß, daß man ein Zombiebuch liest, also müssen sie über kurz oder lang auftauchen.

Glaubwürdigkeit und Geographie

Mit dem Wechsel zur Geschichte von Rebecca, der Rot-Kreuz-Sanitäterin, und General Shermans Infanterieeinheit, verliert die Geschichte leider etwas an Glaubwürdigkeit. Erst einmal scheint der afrikanische Kontinent in seinen Dimensionen sehr geschrumpft zu sein, denn Rebecca ist mal in Kenia, dann in Kairo und dann in Suez, ohne daß die beschwerliche Reise inmitten eines abgeriegelten und von Flüchtlingsströmen und Infiziertenhorden bevölkerten Kontinents mit bisweilen schwacher Infrastruktur und nach dem Zusammenbruch jeglicher verbliebener Ordnung in irgendeiner Weise Probleme zu machen scheint oder überhaupt thematisiert wird. Es wirkt, als ob sie mal eben von Bonn nach Köln gereist ist und nicht Tausende von Kilometern zurückgelegt hat.

Last Stand der US Army im Wüstensand

Last Stand der US Army im Wüstensand

Auch liest man die amerikanisch-europäischen-internationalen Schutzmaßnahmen zur Abriegelung eines gesamten Kontinents mit einer hochgezogenen Augenbraue. Die Live-Berichterstattung auf Nachrichtensendern ist modern und sicherlich lebensnah, aber die Maßnahmen sind doch etwas sehr hanebüchen. So merkwürdig die USA und die EU und die UNO bisweilen reagieren mögen, aber so naiv zu sein, daß man glaubt, ganz Afrika einfach zu einer Quarantänezone machen zu können, aus der man niemanden mehr hinausläßt und an den Küsten Kriegsschiffe patrouillieren läßt, wirkt doch etwas abstrus – man muß nur bedenken, wie schwer es der Marine fällt, allein vor dem piratengeschüttelte Somalia Präsenz zu zeigen oder das Mittelmeer wirkungsvoll vor Flüchtlingsbooten aus Nordafrika abzuriegeln. Es genügt schließlich ein Paddelboot mit zwei Infizierten, die in Gibraltar oder auf den Kanaren anlanden, um den ganzen Plan wirkungslos zu machen. Als man dann schließlich auch noch mit Schützengräben, Minenfeldern und Stacheldraht und einem spärlichen Häufchen Infanterie eine auf dem Satellitenbild geortete Masse von Hunderttausenden von Infizierten stoppen will, verleitet das doch zu einem leichten Hüsteln. Okay, sie haben 1 Apache-Hubschrauber, der ihnen Luftunterstützung gibt. Wow.

Die Frage, die man sich angesichts Zigtausender langsam durch die offene Wüste marschierender Zombies stellt, die man zudem noch live via Satellit verfolgt – wo bleibt das Flächenbombardement? Wo bleiben die Kampfjets? Wo die Artillerie? Wir wissen, daß die Amerikaner, Briten und Israelis durchaus über das Equipment verfügen, den gesamten Bereich gefahrlos aus der Luft einzuäuschern. Warum setzt man also ein paar Männchen Infanterie mit zwei Ammo-Kisten in einen Schützengraben und fliegt in den Sonnenuntergang?

Nicht zuletzt wirken die Afrikaner selbst wie unbeteiligte Dritte, die nichts zu sagen haben. Als Kapstadt live in Südafrika vor den Augen von CNN fällt, fragt man sich doch, wo eigentlich deren Einheiten sind oder waren. Tatsächlich wird in diesem Buch der Anschein erweckt, daß ganz Afrika nur aus Zombies und primitiven Flüchtlingsströmen besteht, die von den Amerikanern beschützt werden müssen. Nunja. Ein recht einseitiger Blick, angesichts der Tatsache, daß gerade in Nordafrika und im Nahen Osten einige Länder liegen, die nun nicht gerade über ein kleines Militär verfügen oder große Skrupel hätten, dieses einzusetzen und sicherlich weiß sich der ein oder andere afrikanische Überlebende sicherlich genauso gut zu helfen wie ein Überlebender in anderen von Zombies heimgesuchten Ländern. Aber das ist wohl ein Problem, dem man in amerikanischen Filmen und Büchern immer wieder begegnen wird.

Es ist dann auch nicht weiter verwunderlich, daß die Seuche sich schließlich weltweit ausbreitet; schade, daß die Quarantänemaßnahmen im Vorfeld so unglaubwürdig sind, zumal man scheinbar Gesunde ohne Symptome und ohne weitere Untersuchung gerade zu Beginn der Infektion fröhlich in alle möglichen Länder ausgeflogen und per Schiff außer Landes gebracht hat. Daß darunter ein paar Infizierte ohne Symptome waren, hätte man sich denken können und ein paar Biohazard-Abwehrmaßnahmen oder zumindest Gesundheitskontrollen wären nicht schlecht gewesen – angesichts des Aufwandes, den man ansonsten betreibt, um den Kontinent abzuriegeln. Zwar sind Zombie-Romane jetzt nicht gerade im Bereich des Hyper-Realismus anzusiedeln und nicht immer ist das, was in ihrer Handlung als logisch verkauft wird, tatsächlich auch logisch, aber in diesem Buch paßt eben der Teil nicht, der vor der Apokaylpse kommt – der Teil, der also unsere Welt beschreiben soll, wie sie aktuell besteht. Das Buch spielt 2006 und ich für meinen Teil kann mir nicht vorstellen, daß irgendein Land oder Bündnis in der Welt in derart hanebüchener Weise gegen einen Killervirus vorgehen würde. Nicht einmal die USA. Das beeinträchtigt den eigentlich actionreichen und flotten Teil um das verzweifelte Überleben der Infanterieeinheit und der mit ihnen gestrandeten Zivilisten leider etwas.

Während zu Beginn noch die Tatsache ausgeführt wird, daß Morningstar eindeutig auch auf manche Tierarten übertragbar ist, findet dieses im Laufe der Geschichte überhaupt keine Erwähnung mehr. Infizierte Tiere tauchen niemals auf.

Zwischendurch gewinnt das Buch immer wieder an Fahrt und weiß auch mit spannenden Wendungen zu überraschen. Es enthält recht moderne Elemente wie den Email-Verkehr zwischen Dr. Demilio und General Sherman, zeitgemäße Anspielungen wie zum Beispiel die Stationierung der Amerikaner im Irak, das Internet, CNN-Rund-um-die-Uhr-Katastrophenfernsehen, so daß man schon ein recht gutes Gefühl dafür bekommt, einen Roman zu lesen, der hier und jetzt spielt.

Die NSA - böse Männer in schwarzen Anzügen

Die NSA - böse Männer in schwarzen Anzügen

Leider verfällt das Buch aber ab und zu immer wieder in unglaubwürdige oder nicht ganz nachvollziehbare Szenen. Ein Beispiel ist der leicht wahnsinnige NSA-Beamte Sawyer, der sich die Verfolgung von Ortiz und Demilio zu seiner persönlichen Aufgabe macht, während um ihn herum Washington brennt und die Welt zusammenstürzt. Hierbei kommt es dann an einer Stelle sogar zu einer Szene in astreiner Klischee-Wildwest-Manier, die schon massenhaft in Spielfilmen und Actionreißern unglaubwürdig herüberkommt und mich dort jedesmal zu einem Kommentar verleitet. Stichworte sind: „Tötet sie noch nicht, ich will es selbst erledigen“ oder wahlweise „Ich bin extra alleine gekommen, damit wir es alleine unter uns persönlich ausmachen können“. Sowas wirkt immer idiotisch, aber in dieser Situation, während die Infizierten nur wenige Meter entfernt dabei sind, die letzten Barrieren zu überwinden, veranlaßt mich nur zu einem Kopfschütteln und dem Kommentar: „Was ist das denn bitte?“. Liest man das ganze etwas toleranter und wie einen Hollywoodreißer, mag man Gefallen an dieser One-Man-Show finden, aber dafür will das Buch viel zu realistisch und  zeitgemäß sein.

Immer wieder kommt es zu derartigen leichten Logikbrüchen, nicht nachvollziehbaren Handlungsweisen und Deus-Ex-Machina-Lösungen, die es zwar auch in anderen Büchern gibt, die hier aber leider oft sehr an den Haaren herbeigezogen wirken. Zum Beispiel Julie Ortiz‘ überraschend an den Tag gelegte Fähigkeiten als Meisterhackerin, auf die es zuvor keinerlei Hinweise in ihrer Biografie gab.

Über diese Merkwürdigkeiten und diversen nicht nachvollziehbaren Elemente kann man allerdings hinwegsehen, da die Geschichte ansonsten recht actiongeladen und von einem relativ hohen Tempo geprägt ist. Einige Erlebnisse der Flüchtlingsgruppen sind wirklich gut und sehr spannend geschilert, zum Beispiel die Untersuchung der Kleinstadt Hyattsburg durch General Shermans Truppen oder die Schlacht von Sharm-el-Sheik.

Seife für den Mund gefällig?

"Fucking fuck, you bitch!" - "Yeah, fuck that clusterfuck, you motherfucker!"

"Fucking fuck, you bitch!" - "Yeah, fuck that clusterfuck, you motherfucker!"

Überhaupt zeigt sich die Stärke des Autors in der Beschreibung der Actionszenen, von Kampfhandlungen und militärischen Details wie dem Scouting. Daran gibt es nichts auszusetzen, auch wenn die Soldaten für meinen Geschmack etwas aufgesetzt häufig mit ordinärer Sprache um sich werfen, so daß nahezu jeder Satz aus diversen Wortkombinationen rund um das Wort „Fuck“ besteht und man sich eigentlich in jeglichen Situationen ausschließlich in Form von Beleidigungen miteinander unterhält. Das wirkt ebenfalls etwas unglaubwürdig und übertrieben. Eine gewisse rauhe Sprache ist ja durchaus okay, aber in diesem Buch wirkt es so, als ob der Autor krampfhaft häufig möglichst viele Schimpfwörter und Fuck-Kombinationen unterbringen wollte, vielleicht, um ihm einen skandalösen und tabubrechenden Touch zu geben, da man in den USA ja etwas empfindlicher mit dem Gebrauch dieses F-Wortes in Film und Literatur ist. Etwas über das Ziel hinausgeschossen, würde ich sagen.

Keine Charakterköpfe

Ein weiterer Kritikpunkt ist meiner Meinung nach, daß der Autor zwar wirklich spannende Actionszenen schreiben kann, dafür seine Charaktere allesamt zu kurz kommen. Er beschreibt so gut wie gar nichts, man weiß nichts über das Aussehen der Hauptpersonen, nicht einmal das geringste, und auch sonst ergeht er sich nicht gerade in detaillierter Beobachtung der Umgebung.

Auch ist das Buch meistens aus einer relativ neutralen Perspektive geschrieben und geht kaum in das Innenleben der Beteiligten. Hier und da erfährt man die Gedanken von Sherman oder anderen Charakteren, aber man hat stets das Gefühl einer gewissen Distanz und vieles bleibt für meinen Geschmack viel zu oberflächlich. Das macht es auch schwierig, sich mit den Personen zu identifizieren. In einigen guten Momenten blitzt es zwar durch und man ist für einen Augenblick mit dem Schicksal einer Hauptperson verbunden, aber zu schnell geht die Kamera dann wieder aus dem Zoom und ergeht sich in bloßen Schilderungen der Ereignisse.

Endlich erfunden: Der geruchlose Zombie!

Endlich erfunden: Der geruchlose Zombie!

Es ist nicht so, daß die Personen als solche uninteressant wären, ganz im Gegenteil. In allen Hauptpersonen steckt viel Potential für eine spannende Geschichte, sowohl in dem Duo Dr. Demilio und Julie Ortiz, als auch in General Sherman, der noch die meiste Farbe erhält, sowie den einzelnen Soldaten seiner Einheit, dem kanadischen Fotografen oder dem kenianischen Fluglotsen. Sie alle sind interessante Charaktere, denen eine detailliertere Biografie und mehr Innenansicht nicht geschadet hätte. So weiß man nichts über die Herkunft, die Familie, die Heimat auch nur einer einzigen Person – und es scheint sich auch kein einziger Charakter dafür zu interessieren, was mit den Lieben daheim im Rahmen der weltweiten Katastrophe passiert ist.

Die Tatsache, daß die Nachnamen etwa der Hälfte der Personen mit „D“ beginnen und aus zwei Silben bestehen (Darin, Dewen, Denton, Decker…) macht es nicht gerade einfacher, sie angesichts ihrer blassen, gesichts- und geschichtslosen Darstellung auseinander zu halten.

Ich möchte in einem Überlebenskampf viel näher an den Charakteren sein und nicht nur ihre oberflächlichen Gedanken beschrieben bekommen. Dieser Erzählstil gefällt mir nicht hundertprozentig, so daß auch die gut beschriebenen Actionszenen dieses Problem der mangelnden Details und der mangelnden Charakterisierungen nicht wettmachen können. In dieses Gesamtbild paßt auch die klischeehafte Darstellung aller Afrikaner des gesamten Kontinents, die ebenfalls am besten als „identitätslos“ beschrieben werden kann.

Sagrotanbehandelte Zombies mit Airwick-Lufterfrischer

Was aber besonders störend ist: Nicht einmal die Zombies werden ordentlich beschrieben. Wie die Hauptcharaktere aussehen, kann ich ja noch getrost meiner Phantasie überlassen, aber wenn ich einen Zombieroman lese, will ich plastische Beschreibungen der Verfallserscheinungen oder zumindest des Zustandes der Körper. Oder überhaupt Beschreibungen. Selbst eine Erwähnung wäre nett.

Hier und da gibt es zwar mal einen Hinweis darauf, was ein Zombie für Kleidung trägt, aber nichts über Eingeweide, kaum über Verletzungen und es wird nicht in einer einzigen Silbe der Geruch erwähnt. Geruch findet in diesem Buch nicht statt – dabei ist er ein wichtiges Element, denn in vielen Büchern erkennen die Charaktere schon am Windwechsel oder plötzlich aufwallenden Geruch, daß sich eine Horde nähert. Nach einem Monat, in dem das Buch spielt, müßte der Geruch nahezu unerträglich sein, der von einer Versammlung von mehreren Zombies, ja, sogar von einem einzigen Exemplar ausgeht.

Diese Zombies sind steril, klinisch rein und offenbar geruchlos, denn niemand der Beteiligten, nicht einmal die zivilisten, unerfahrensten Zivilisten, kräuseln auch nur ihre Nasen, wenn sie in unmittelbare Nähe einer Horde von 100.000 Zombies in der Wüstensonne sind. Durch die Wegnahme der Beschreibungen und des Geruchs hat der Autor sich selbst eines wichtigen Hilfsmittels und Stilelements beraubt, um Spannung und Atmosphäre und ein Gefühl Bedrohung zu schüren.In vielen Büchern ist der Geruch, der dem Auftauchen vorausgeht, oft unheimlicher und bedrohlicher als das darauf folgende Erscheinen der Zombies in den Straßen.

Für einen Zombieroman ist der Gorefaktor generell viel zu gering in diesem Buch – oder findet so gut wie gar nicht statt. Dieses sind tatsächlich die sterilsten Zombies, von denen ich je gelesen habe, und das ist absoluter Minuspunkt! Es muß ja nicht gleich auf jeder Seite vor Details, Splatter, Gore und Perversionen triefen wie zum Beispiel bei Brian Keene, aber ein Mindestmaß an anschaulichen Beschreibungen der Bedrohung erwarte ich von jedem Zombieroman.

Fazit

Subjektiv-StempelIch habe mich jetzt in erster Linie über die Punkte ausgelassen, die mich an dem Buch stören und in der Summe mag das wie ein absoluter Verriß wirken. Tatsächlich ist das Buch aber nicht so schlecht, wie es jetzt klingt, so daß ich generell davon abraten würde.

Ich habe mich – aller bemängelten Punkte zum Trotz – während des Lesens gut unterhalten gefühlt. Es gab wirklich interessante Momente, die Actionszenen waren packend und die Geschichte als solche ist definitiv spannend.

Der Erzählstil, die Merkwürdigkeiten in der Logik, der mangelnde Detailgrad, die blassen Charakterisierungen und der fehlende Gore-Faktor sind Punkte, die mich persönlich gestört haben, aber es mag sein, daß andere Leser den ein oder anderen Punkt nicht so schlimm finden oder zugunsten anderer Elemente darüber leichter hinwegsehen können. Damit ist dieses Buch stark geschmacksabhängig und sicherlich nicht das typische „Zombiebuch“ aus dem Splatterpunk-Genre, das man gemeinhin erwartet.

Ich fühlte mich einerseits bisweilen beim Lesen enttäuscht, andererseits habe ich das Buch innerhalb kurzer Zeit verschlungen, da es trotz allem spannend genug und die Geschichte interessant genug war, um mich zum Weiterlesen zu animieren. Denn trotz allem wollte ich wissen, wie es weitergeht, auch wenn die Hauptpersonen mir bei weitem nicht so nah standen wie es zum Beispiel bei „The Rising„, „Dead Sea“ oder „Dying for Life“  der Fall war. Und dieser mangelnder Enthusiasmus für die Hauptpersonen sorgt dafür, daß das Buch kein „Pageturner“ ist, der mich eine Nacht durchlesen läßt, da ich wissen muß, was mit den Leuten weiter geschieht. Eher ein Buch, das man in der Bahn auf dem Weg zur Arbeit liest und dann getrost an der Haltestelle einpackt bis zur nächsten Fahrt.

Wie ich in der Einleitung sagte – „Plague of the Dead“ ist ein zweischneidiges Schwert. Es unterhält gut genug, um einen bei der Stange zu halten und sogar Lust auf die Fortsetzung zu machen, aber es fällt in Sachen Hauptpersonen, Gore und vor allem Zombies weit hinter andere Genrevertreter zurück. Kann man mal lesen, es schadet sicher nicht, es unterhält, aber erwarten sollte man nicht zu viel. Da der Autor im Gegenzug sehr gute Actionszenen schreibt und die Grundidee spannend ist, trifft der Begriff „Verschenktes Potential“ die Sache vermutlich am besten.

Meine BRAINZ:

Bewertung 2.5

Zur Review von The Morningstar Strain 2: Thunder & Ashes
Offizielle Morningstar-Strain-Website des Autors

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